Wer die St. Laurentiuskirche zu Senden betritt, steht an einer Stelle, die seit mehr als 900 Jahren gottgeweihte Erde ist, teils als kleineres Kirchengebäude, teils als Friedhof, auf dem bis 1848 bestattet worden ist. Mag auch die früheste urkundliche Erwähnung der Pfarrei Senden erst aus dem Jahre 1180 stammen, so läßt sich doch aus der Kombination anderer Quellen erschließen, dass die Gründung mehr als 100 Jahre früher erfolgt sein muß. Und mit der Gründung kam auch die erste Kirche nach Senden an den heutigen Platz.

Der Übergang vom Park zur Kirche ist sehr reizvoll

Blick vom Haupteingang ins Langschiff

Die heutige Kirche wurde in den Jahren 1870 -73 erbaut und am 16. September 1873 geweiht. Sie ist die vierte Kirche an dieser Stelle.

Die Vorgängerkirche aus dem 15. Jahrhundert wurde abgebrochen, weil sie für die Gemeinde zu klein geworden war. Aus ihr wurden in die neue Kirche übernommen: 
a) die beiden Sakramentshäuser: der Sakramentsturm in der Chormitte und der heutige Tabernakel in der Nordostwand des Chorraumes. Von dem großen Sakramentsturm ist bekannt, dass er um 1550 von

Bernd Bunickman aus Münster geschaffen wurde. Bunickman gehörte samt seinem Sohn Johann seinerzeit zu dem Kreis herausragender nordwestdeutscher Steinbildhauer.  Dass es außer dem Sakramentsturm noch den spätgotischen Wandtabernakel gibt, ist für eine Pfarrkirche ungewöhnlich. Die im vergangenen Jahrhundert hinzugefügten Figuren (Christus und St. Josef) deuten darauf hin, dass er ursprünglich zur Aufbewahrung der heiligen Öle für Taufe und Krankensalbung bestimmt war.
b) das große hölzerne Kruzifix, das in der Vorgängerkirche Altarkreuz war. Über seine Entstehungszeit haben Fachleute unterschiedliche Vermutungen geäußert: die wahrscheinlichste dürfte die Datierung auf 1760/80 sein.

Der Altarraum

Blick vom Altar zur Orgelempore

c) der Grundstock der Orgel, der I854 von dem Dülmener Orgelbauer Josef Laudenbach unter Verwendung zweier älterer Register aus dem I8. Jahrhundert geschaffen worden war. Für die neue Kirche wurde die Orgel vom selben Orgelbauer um 11 Register erweitert und mit einem nicht klingenden Prospekt verkleidet.
d) Vier Glocken, von denen aber die jüngste und größte (1833) im letzten Krieg eingeschmolzen wurde und erst 1951 einen neugeborenen Ersatz bekam. Diese neue Glocke schlägt heute die vollen Stunden, während die 1732 von Johan Schweys gegossene und dem hl. Johannes geweihte die Viertelstunden ankündigt.

Die kunstgeschichtlich bedeutenderen Glocken sind die beiden von Wolter Westerhues (1527 und 1528) gegossenen. Von ihm heisst es, dass er "Schüler des berühmten niederländischen Meisters Geert van Wou, Glockengießer in Münster war und der wohl bedeutendste Gießer Westfalens am Ausgang des Mittelalters". Die Glocke von 1527 ist von aussen im Dachreiter über der Vierung zu sehen: sie läutet den "Angelus". Die heutige neugotische Kirche wurde unter Pfarrer Wegerhoff (1823-1906) von Hilger Hertel dem Älteren (1831-1890) entworfen, der seine Ausbildung in der Kölner Dombauhütte gemacht hatte und 1857 vom Bischof nach Münster berufen worden war (u a. hat er in Münster den Turm der Lambertikirche erbaut).

zum Seitenanfang

 

Fenster im Chorraum (Altarraum)

Die Bauausführung übertrug er dem münsterischen Architekten Franz Anton Nordhoff (1842-1907). Es heißt, Hertel habe die Sendener Kirche nach dem Vorbild der Werner-Kapelle zu Bacharach projektiert. Diese Kapelle existiert seit 1757 nur noch als Ruine. Die Entsprechung wird vor allem darin zu suchen sein, dass die Enden des Ouerschiffes wie der Chorraum als Aspiden ausgebildet wurden und nicht mit einer einfachen flachen Wand abschließen. Von Bedeutung war die Ausmalung der Kirche durch den münsterischen Kirchenmaler Anton Soetebier (1858-1935). Seit 1965 sind davon nur noch Teile erhalten geblieben. Es lohnt sich, in den Bögen zwischen Mittel- und Seitenschiffen die von mal zu mal unterschiedlichen Motive anzuschauen und zu vergleichen, ebenso wie die jeweils unterschiedliche Ornamentierung der seitlichen Fenster.

Die Fenster des Querschiffes erinnern an die Fenster von gotischen Zisterzienserkirchen, in denen die Verwendung von Farbe durch die Ordensregel verboten war.
Das Marienfenster in der nördlichen Seitenkapelle (1907) stammt von Carl Hertel, einem Bruder des Architekten. Das Josefsfenster der südlichen Seitenkapelle (1909) hat Friedrich Stummel (IS50-1919) entworfen.

Friedrich Stummel lieferte 1913 auch die fünf großen Fenster des Chorraumes Die biblisch-theologische Dichte ihrer Komposition ist so beeindruckend. dass man lange Zeit braucht, sie zu erkennen und in sich aufzunehmen. Hier nur soviel: Das Mittelfenster weist darauf hin, dass hier auf dem Altar bei der Feier der Eucharistie dasselbe geschieht wie beim Letzten Abendmahl: die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi. Die Szenen des rechten Fensters lassen sich unter dem Leitwort zusammenfassen: "Mich erbarmt des Volkes", die des linken unter dem Wort: "Deine Sünden sind dir vergeben".

Kirche vom Parkplatz hinter dem Pfarrheim fotografiert

zum Seitenanfang

 

Wenn man die Kirche durch das Hauptportal betritt. Alle Fotos: Rolf Ziebolz

Die Ausgestaltung der Kirche mit figürlichen Plastiken stammt zum großen Teil von Heinrich Fleige (1840-1890), der seinerzeit einer der bedeutenden Bildhauer Münsters war. Auf ihn gehen zurück: die großen Figuren in halber Höhe des Chorraumes (Petrus, Ludgerus, Laurentius und Paulus), sowie die beiden Figuren an den vorderen Säulen des Chorraumes (Herz-Jesu und Herz-Maria) und die wunderschönen kerzentragenden Engelgruppen an der Chorwand neben dem Sakramentsturm. Die Pieta (1919) im südlichen Seitenschiff stammt von Wilhelm Haverkamp (1864-1929). Er war in Senden geboren, brachte es zum Professor am Kunstgewerbemuseum in Berlin und wurde seinem Wunsch gemäß hier auf dem Laurentius-Friedhof beigesetzt.

Die hölzerne Mutter-Anna-Figur im Eingangsbereich des Turmes und das steinerne Kreuz an der Außenwand des Chorraumes hat der Sendener Bildhauer Alexander Frerichmann (1887-1960) geschaffen.

Die Renovierung und zeitgemäße Umgestaltung der Kirche wurde 1965/66 von dem Architekten Franz König aus Dülmen und dem Bildhauer Herbert Daubenspeck aus Emsdetten (Altar, Ewiges Licht und Ambo) durchgeführt.

Die 14 Kreuzwegstationen aus Terracotta hat Pfarrer Wegerhoff 1874 von einem gewissen Bauhus in Kleve erworben. Im Zuge der Renovierung von 1965 wurden sie aus der Kirche entfernt und verkauft. Im Jahre 1983 konnten sie glücklicherweise zurückerworben, restauriert und wieder an den jetzigen Stellen angebracht werden.
 

Das Gewölbe ist sehr harmonisch und einzigartig

zum Seitenanfang

 

Der Kirchplatz

Die Pfarrgemeinde St Laurentius Senden zählt ca. 8000 katholische Christen. Sie umfaßt den Ortsteil Senden-Mitte mit den Bauerschaften Bredenbeck. Dorfbauerschaft. Gettrup, Holtrup. Schölling und Wierling, aber ohne die Ortsteile Bösensell, Ottmarsbocholt und Venne, die je ihre eigene katholische Kirche haben. Seit Sommer 2003 bilden die Gemeindebezirke eine Seelsorgseinheit. Am 13. Juli 2003 fand hierfür der erste große Kirchentag statt.

Das Pfarrhaus, Schulstraße 10, wurde 1835 erbaut und ist 1982 renoviert worden.

Das Pfarrheim, das sich im Südwesten an die Kirche anschließt, konnte 1979 eingeweiht werden. Es bietet Gruppenräume und Säle, die u.a. für die offene Jugendarbeit (KoT) und die regelmäßigen Chorproben des Kirchenchores genutzt werden.

Herausgeber: Kath. Pfarramt, Schulstr. 10, 48308 Senden Tel.: 02597 - 291

Alle Fotos: (c) Rolf Ziebolz, 2003

 

Das Pfarrheim