Stimmgewaltiger Auftritt

von Sandra de Jong

-dej- Senden. Wer bei der Serenade, einem eher klassischen Mandolinenstück, an den südländischen Verliebten dachte, der sich bei Mondschein unter dem Fenster seiner Angebeteten mit seinem Instrument aufbaut, um ihr ein bittersüßes Liebeslied zu widmen, lag vielleicht gar nicht so falsch: Er habe das Stück tatsächlich für seine Frau geschrieben, gab Karl Heinz Keinemann zu. Wer nach diesem ersten Orchesterstück jedoch die Vermutung hegte zu wissen, welche Art von Musik sich hinter den anderen Orchesterwerken verbarg, dem machte der Dirigent gleich einen Strich durch die Rechnung: „Da kommt nachher noch was anderes“, verriet er mit einem spitzbübischen Lächeln und widmete sich zunächst dem gemeinsamen Programm mit dem Kirchenchor St. Laurentius.

Die Sängerinnen und Sänger um Chorleiter Rolf Ziebolz hatten durch die Zusammenarbeit mit dem Westfälischen Zupforchester bei ihrem Konzert am Sonntag in der Pfarrkirche St. Laurentius eher ungewohnte Klänge nach Senden geholt. Gleich zu Beginn erwiesen sich beide Gruppen bei der Großen Psalmenkantate von Prof. Heino Schubert – der Komponist selbst saß am Klavier – als harmonische Einheit. Die Kantate, insbesondere das Halleluja, öffnete eine inhaltliche Klammer um das breit gefächerte Programm aus klassischer und zeitgenössischer, weltlicher und sakraler Musik, das die zahlreichen Beteiligten gemeinsam erstellt hatten. Bei Franz Schuberts „An die Musik“ trat dann erstmals Rainer van Husen in Aktion: Der bekannte Tenor blickt bereits auf mehrere Zusammenarbeiten mit dem Kirchenchor St. Laurentius zurück und verstand es auch diesmal, das Publikum für sich einzunehmen.

Mit dem zeitgenössischen Concertino von Manfred Niehaus für Mandoline und Orchester löste Karl Heinz Keinemann mit seinem Zupforchester dann seine Ankündigung nach „anderer“ Mandolinenmusik ein: Die Tätigkeit des Komponisten als Musikredakteur beim WDR mit dem Spezialgebiet des Jazz sprach aus dem Stück, das für viele der Zuhörer zunächst befremdlich wirkte. Stefan Prophet, einer der großen Solomandolinisten, brillierte hier mit akzentuierter Spielweise und vermittelte trotz der Raumwirkung in der großen Kirche das Gefühl einer gemütlichen Jazz-Session.

Im Anschluss folgte das Hauptwerk des Abends: „Vor etwa einem halben Jahr rief mich Karl Heinz Keinemann an und fragte, ob der Chor sich vorstellen könnte, mit dem Zupforchester zusammen das Hirtenepos einzustudieren. Ich gebe zu, wir haben erst gezögert“, verriet Rolf Ziebolz. Schließlich fand sich ein Projektchor, der sich mit der Komposition Keinemanns zusätzlich zur regulären Probenarbeit beschäftigte, und so kamen die Sendener am Sonntagabend in den Genuss der Uraufführung dieses Stückes für Tenor (Rainer van Husen), Querflöte (Barbara Weinzierl), Chor und Orchester. Durch einen spontan antrainierten Zwischenruf rutschte sogar das Publikum in die Rolle der Mitwirkenden, bevor es das Kernstück des Werks, die Arie des Propheten, genießen durfte. Mit der bekannten Badinerie von Johann Sebastian Bach hatte die charmante Flötistin Barbara Weinzierl anschließen einen Soloauftritt, bevor Karl Heinz Keinemann Charakterstudien betrieb: Seine Komposition Caractissimo stellte verschiedene Menschentypen musikalisch vor, und es wird den Zuhörern leicht gefallen sein, jedes der kleinen Stückchen sich selbst oder einem Bekannten zuzuordnen.

Die Gastgeber vom Kirchenchor St. Laurentius warteten gewohnt sicher und stimmgewaltig mit dem Stück „Gott hat mir längst einen Engel gesandt“ aus dem Musical „Daniel“ von Thomas Gabriel auf. Mit der Chormotette zu Psalm 117 „Laudate jehovam omnes gentes“ schlossen die beiden Gruppen die Klammer, um mit der Zugabe „Jesus bleibet meine Freude“ einen würdigen Schlusspunkt zu setzen.