Nicht nur durch den Gesang gedeiht diese Freundschaft

Jessener Frauenchor und Kirchenchor St. Laurentius Senden in intensivem Kontakt

Freundschaft, was ist das? Gibt es eine klare Definition des Wortes, welches so vielfältig ausgelegt werden kann? Schwer. Eskommt wohl eher darauf an, wie das Wort mit Sinn erfüllt wird, ob die Regung aus einem echten Gefühl heraus entspringt oder nur Makulatur bleibt. Nun könnte der geneigte Leser meinen, dass die Freundschaft zweier Chöre unkompliziert zu bewerkstelligen ist. "Singen verbindet", meinten schon unsere Großmütter, und so wird einfach ein Liedchen geschmettert, und schon klappt es.

Mitteldeutsche Zeitung vom 15.06.2002

Expertinnen gesucht

Ganz so einfach ist das sicherlich nicht. Fragen wir doch einfach mal welche, die es wissen müssen. Die Damen des Jessener Frauenchores könnten Expertinnen auf diesem Gebiet sein, denn sie praktizieren seit zehn Jahren eine Freundschaft, zum Kirchenchor St. Laurentius Senden. Lebendigkeit, dies ist vielleicht das passende Wort für ein ganzes Jahrzehnt Gemeinsamkeiten, eine Freundschaft, die sichtlich nicht nur aus dem Gesang heraus erwächst.
"Wie wäre es denn, wenn wir mit einem Chor aus Senden Kontakt aufnehmen würden?" (GISELASCHMIDT)
Gisela Schmidt, Anfang der 90er Jahre Vorsitzende des Chores, hatte die Idee. " Wie wäre es denn, wenn wir mit einem Chor aus Senden Kontakt aufnehmen würden?" um ,so vielleicht auch mit Menschen aus den alten Bundesländern Beziehungen aufzubauen, mögliche Vorurteile zu überwinden, Erfahrungen auszutauschen. Nun gut, dachte sich der Rest der Truppe, lasst uns einen Brief schreiben. So groß war die Auswahl nicht, das Schreiben erreichte im Frühjahr 1992 den Kirchenchor in Jessens Partnergemeinde Senden. Eine Antwort ließ nicht lange auf sich warten, die Laurentiusleute zeigten sich keineswegs abgeneigt.
Zweifel schnell beseitigt
Zugegeben, am Anfang gab es Zweifel. Ob das funktionieren würde, ein ehemaliger Kulturhauschor und ein Kirchenensemble? Schon allein die Mitgliederzahlen unterschieden sich gewaltig. Und erst das Liedgut. Jessens Frauen überlegten und sagten sich einfach, dass probieren über studieren gehe. Dieselbe Meinung hatten auch die Sendener, im Herbst 1992 kam es zu dem ersten Treffen. Noch heute erinnern sich alle daran, wie groß das Herzklopfen damals war, und dies nicht nur wegen der Unruhe, ob der Besuch auch den richtigen Weg findet. Letztlich zeigte sich bereits damals, dass die Unsicherheit im Vorfeld vollkommen unbegründet gewesen war. Unverkrampft und mit einer großen Portion Neugier wurde aufeinander zugegangen. Dies lag sicherlich daran, dass eigentlich wildfremde Menschen keine Scheu voreinander zeigten, sich von Anbeginn eine äußerst herzliche Atmosphäre einstellte. In der Chronik der Jessenerinnen steht ein schöner Satz: " Wir hatten, Wessis' kennen gelernt, die nichts mit dem allgemeinen Klischee zu tun hatten, wir hatten aufgeschlossene und freundliche, mit einem Wort "herzliche Menschen zu Gast." Und heute, zehn lange Jahre später, geseIlt sich zur dieser Herzlichkeit Vertrautheit, viele persönliche Kontakte prägen die Bindung der beiden Chöre.
Trabi-Fahrten
So manch lustige Erinnerung ist haften geblieben. Beispielsweise der Wunsch von Vorstandsmitgliedem der Sendener, beim ersten Abstecher nach Jessen unbedingt eine Fahrt in einem Trabi zu erleben. Oder immer dieser "Stress", bei anstehenden Besuchen rechtzeitig die Betten gerichtet und den Kartoffelsalat fertig zu haben. Oder welche Sängerin erinnert sich nicht daran, dass manchmal stundenlang gewartet werden musste, bevor überhaupt jemand am vereinbarten Treffpunkt erschien. Unvergesslich sicherlich ebenso die gemütlichen Runden bei Hankes. Und welche Sängerbrust schwillt nicht vor Stolz an, wenn bei einer Eisenbahntour Mitreisende feststellen, dass der Gesang der Damen und Herren genauso gut klinge wie bei den berühmten Kellys.
Jn einer Woche wird nun ganz groß gefeiert. Zehn Jahre Chorfreundschaft sind der Anlass, gemeinsam ,ein Konzert zugeben, sich ebenso die Zeit zu nehmen; in die Vergangenheit "abzutauchen", Neuigkeiten auszutauschen, nach vorn zu blicken. Zudem sind etliche Ausflüge, so nach Wörlitz, geplant. Es sollen erneut erlebnisreiche Tage werden, wie schon so oft. Und eines wird beide Klangkörper einen: Der Wille, sich weiter füreinander zu interessieren. Schließlich sollen noch viele Seiten voller Erinnerungen in der Chronik folgen.
Das dürfte klappen, wer nur einmal eines dieser Treffen erlebt, hat das Gefühl, dass nicht nur eine offizielle Partnerschaft gepflegt wird. Da gehört es dazu, dass sich Jessener und Sendener einer unterschiedlichen Geschichte bewusst bleiben, Gegensätze respektieren, Gemeinsamkeiten finden. "Mit den Sendener Sängern trafen wir auf Menschen, die uns zuhören", so steht es in der Jessener Chronik
.

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